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Lake Tahoe: hin und zurück

Weisse Weihnachten gibt es für uns wohl nicht dieses Jahr. Aber etwas Schnee kurz zuvor wäre schon schön! So buchen wir drei Nächte in einem Bed & Breakfast am an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada gelegenen Lake Tahoe. Mit seiner Fläche und der Lage auf 1897 m.ü.M. gilt Lake Tahoe als der grösste Bergsee der USA. Und mit 593 Metern ist er immerhin der zweit tiefste. Bekannt ist er für sein klares Wasser und die zahlreichen Skigebiete, die ihn umringen.

Die Hinfahrt
Nachdem wir unsere Gurke aufgetankt und den Reifendruck gecheckt haben, geht’s los: Auf den Freeways umkurven wir die Bucht und fahren in Richtung Sacramento. Dort verlassen wir den Freeway und machen einen Lunch-Abstecher nordwärts nach Nevada City. Hier finden wir ein nettes Cafe, wo wir einen Salat essen. Nach der Mittagspause in diesem kleinen Goldgräberstädtchen führt die Fahrt durch Wälder, Hügel und erste Schneereste weiter an den Lake Tahoe. Hier, am Nordufer, in Tahoe Vista, werden wir im “Shorehouse at Lake Tahoe” von Marty, dem Gastgeber, willkommen geheissen. Wir beziehen den im oberen Stock gelegenen “Terrace Room”. Dort finden wir ein Gas-Cheminée und alles was wir für die 3 Nächte brauchen, sogar einige selbstgebackene Cookies liegen auf dem Nachttisch. Nachdem wir ausgepackt haben, gehen wir runter in den Gemeinschaftsraum, wo Marty jeden Tag zwischen 17 und 18 Uhr Wein und Snacks serviert. Hier lassen wir uns bei Cabernet Sauvignon und superfeinen Chickenwings bei der Planung des Nachtessens beraten. Sogar die Reservation wird übernommen und so sind wir bereits kurze Zeit später zu Fuss unterwegs ins Spindleshanks wo es heute Forelle und Schnitzel gibt.

Die Rundfahrt
Der Tag beginnt mit einem preisgekrönten Gourmet-Breakfast von Marty: Zuerst ein Früchteteller mit Melone, Yoghurt und Granola, dann ein schmackhafter Frühstücksburrito. Marty weiss auch, wo man im schneelosen Winter wandern kann und welche Orte am Seeufer man unbedingt besuchen sollte. So fahren wir um den See herum und besuchen zuerst die Emerald Bay. Hier, an einem der meistfotografierten Orte der USA, führt ein Weg hinunter zum Strand und dem einstmaligen Luxusresort “Vikingsholm”, gebaut 1929 nach skandinavischem Vorbild. In der Bucht gelegen ist “Fannette Island” mit den Ruinen des zum Resort gehörenden Teehauses. Im Sommer wird hier gebadet und gepicknickt — die Bucht ist dann wohl vollkommen überlaufen. Jetzt, im Winter, sind einige vereinzelnte Besucher zu Fuss unterwegs und später kommt noch ein Raddampfer kurz auf Besuch zum “Vikingsholm”.

Wir müssen nun etwas gegen das Knurren unserer Magen tun und fahren weiter zum Tourismus-Hub der Region, nach “Lake Tahoe South”. Nach dem eher späten Lunch überqueren wir die Grenze von Kalifornien zu Nevada in “Stateline”, dem geteilten Dorf: auf kalifornischer Seite bestehend aus dem “Heavenly Village”, einem Skiresort inkl. Unterkunft, Shops und Skigebiet, auf der Nevadaseite aus einigen Casinos — Reno ist ja nicht weit…

Am weiträumig unbebauten Ostufer stoppen wir gerade noch rechtzeitig für den Sonnenuntergang beim “Sand Harbour”. Mit dem beissenden Wind wird es trotz Snowboardjacke ziemlich kalt. Mit stumpfen Fingern (trotz Handschuhe) versuche ich die Einstellungen an der Kamera vorzunehmen. Mit dem Sonnenuntergang auf Speicherkarte setzten wir uns ins Auto und drehen die Heizung auf. Bis zum Shorehouse ist es nicht mehr weit und in Incline sind wir bereits wieder aufgewärmt. So können wir die Villen am Lakeshore Drive, einem der teuersten Pflaster der USA, aus dem Auto heraus bestaunen und manchmal auch etwas belächeln. Im Shorehouse lassen wir uns von Marty einen Weisswein einschenken und kalifornische Kartoffel-Chip-Nachos servieren. Etwas später geniessen wir im Lanza’s in Kings Beach traditionelle Lasagne und überbackene gefüllte Lumaconi.

Die Ausfahrt
Der Tag beginnt heute etwas früher: nämlich mit einem kalten Fotoshooting bei minus 18 Grad vom Steg des Shorehouses. Da wärmt auch der Tee nur bedingt. Umso erfreuter sind wir dann über das Erscheinen der Sonne. Nicht dass es jetzt merklich wärmer würde, aber ich kann nun meine Sonnenaufgangsfotos machen und dann zurück zum Gasofen. Auf dem heutigen Frühstücksplan stehen gebackene Äpfel mit Erdbeeren und etwas Rahm als Vorspeise und dann eine Art Toast Hawaii, aber als Sandwich und mit Kiwi und Ahornsirup verziert. Nach einem kurzen Abstecher zu einem Aussichtspunkt oberhalb von Incline fahren wir ins Squaw Valley, wo wir die erste Gondel ins “High Camp”, auf 2500 m.ü.M. erwischen. Alle Sessellifte und Pisten hier oben, und es sind nicht wenige, sind wegen Schneemangel geschlossen. Fahren kann man nur direkt unten im Tal, im Schatten, auf beschneiten Pisten. Hier oben besuchen wir das Olympische Museum. Damals, 1960 hat die Schweiz immerhin 2 Goldmedallien geholt: Yvonne Rüegg und Roger Staub holten diese, beide im Riesenslalom. Sonst gibt es hier oben nicht besonders viel zu tun. Wir geniessen die Aussicht und spazieren etwas in den stillstehenden Sesselliften herum, bevor wir wieder runterfahren. Unten erkunden wir das “Village” und seine Restaurants und Shops, bevor wir — ja ihr wisst es bereits — pünktlich auf Wein und Snacks ins Shorehouse zurückkehren. Feine Quesadillas und wiederum ein Roter stehen heute auf dem Tisch. Anschliessend gibt es Fleisch: gleich über der Strasse im Old Range Steakhouse begnüge ich mich mit “Cowgirl Cut Prime Ribs” und auch Sarah schlägt mit den Short Ribs zu. Schliesslich ist das die letzte Nacht hier am Lake Tahoe.

Und diese Nacht birgt eine Überraschung: Um 21:30 Uhr, Sarah sitzt auf der Toilette, ich liege im Bett, geht ein heftiger Ruck durchs Gebäude. Ich denke: was hat Sarah nun runterfallen lassen. Sie denkt: was hat Sebi nun gemacht. Obschon, das Haus scheint massiv gebaut. Am nächsten Tag finden wir den eigentich offensichtlichen Grund heraus: Ein Erdbeben der Stärke 3.1 hat nördlich von Truckee, 20 km von uns entfernt in einer Tiefe von 400 Metern stattgefunden:

Die Rückfahrt
Nach einem letzten Gourmet-Breakfast (gebackene Banane mit Erdbeeren und dann Eggs Benedict) verlassen wir unser Bed & Breakfast und fahren ein letztes Mal entlang dem Lake Tahoe. Wir verlassen den See auf dem Hwy 50 durch Wälder in Richtung Placerville, wo wir dann auf die weniger befahrene S.R. 49 wechseln und südwärts nach “Sutter Creek” fahren. Hier, im nach John Sutter benannten Dörfchen, wo übrigens auch Leland Stanford mit einer Goldmine eine Menge Geld machte, stoppen wir und suchen etwas zu essen. Von aussen sieht das erste Restaurant nett aus. Drin ist es so bieder, dass wir uns gleich wieder davonschleichen. Da schmeckt der Burger aus dem Steakhouse gegenüber um Längen besser und das Interieur gefällt uns hier auch. Gestärkt schlendern wir durch die Hauptstrasse, kaufen uns noch einen Kaffee und setzen uns ins Auto. Weiter geht es durch Apfelplantagen nach Stockton und dort dann über die bekannten mehrspurigen Freeways zurück an die Bay und nach Palo Alto.

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