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Abschiedsessen

Die Zeit fliegt an uns vorbei und langsam aber sicher wird uns bewusst, dass wir bald wieder im Flugzeug sitzen. In diesem Jahr haben wir viele für uns wichtige Personen kennen und schätzen gelernt. Viele sehr kompetente Wissenschaftler haben sich für meine Anliegen Zeit genommen und mir in meinem Dissertationsprozess geholfen. Und die Forschungsteams zweier unterschiedlicher Departemente haben mich in ihren Meetings Willkommen geheissen. Allen gebührt ein grosses Dankeschön. Dann gibt es hier aber noch ein paar Personen, die uns auch auf persönlicher Ebene wichtig geworden sind und die wir als unsere Freunde bezeichnen. Dies sind Katy, Enrique, Jessica, Anna und Evan. Um uns richtig von ihnen zu verabschieden, haben wir alle zu einem Znacht im Miyake (Sushi und Bento Box) eingeladen. Und alle kommen sie mit ihren Familien und Partnern. Es wird ein lustiger, schöner und gemütlicher Abend. Die Überraschung folgt bei der Bezahlung: Wir laden ein und werden eingeladen! Das heisst, wir haben das Abschiedsessen organisiert, doch dass wir bezahlen wollen, akzeptieren unsere “Gäste” gar nicht. Amerikanische Tradition sei, dass wenn jemand geht, er oder sie eingeladen wird. Eine sehr schöne Geste, die bei mir aber ein bisschen ein schlechtes Gewissen hinterlässt: Abschiedsgeschenke erhalten wir nämlich auch noch. Wenigstens dürfen wir dann im Paris Baguette zu Dessert und Kaffee einladen. Ja wir werden euch alle vermissen!

Heilig Abend und Weihnachten in Kalifornien

Was tut man in Kalifornien, um Weihnachten einzuläuten? An einem Ort, an dem es während des Tages 14 Grad purer Sonnenschein gibt, keine Weihnachtsmärkte den Duft von Glühwein in die Luft strömen und keine heissen Marroni die kalten Hände (die man nicht hat) wärmen? Wir beschliessen, am 24. Dezember den Tag nach Ausschlafen und gutem Brunch mit Guetzli backen zu begrüssen. Es gibt Sablés und Amerikanerli, da diese unkompliziert sind und man nicht viel Küchenutensilien braucht. Das Abendmenu haben wir auch schon bestimmt: selbstgemachte Spätzli und selbstgemachte Cordonbleus mit einem Spinatsalat (als Nüssler-Ersatz) mit Ei und Croutons (Croutons, die ich eingekauft habe und nicht wirklich Croutons sind, sondern wie Bohnen aussehen und wie Flips schmecken).

Es ist 3 p.m., die ersten Guetzli sind im Ofen, als wir durch ein Klopfen in unseren Weihnachtsvorbereitungen unterbrochen werden. Es ist der Junge unserer Vermieter, Sasha, der mit einem Geschenk: Eggnog-Almonds (Mandel-Schoggi-Eier mit Eierlikörgeschmack) und Socken vor der Tür steht. Er murmelt ein: ihr seid eingeladen zum Znacht und schon ist er weg. Unser geplantes Menue schmeckt sicher auch am Weihnachtsabend noch gut. Wir beenden unsere Vorbereitungen und backen die letzten Guetzlis fertig, dann brechen wir auf, um vor dem Essen bei unseren Nachbarn die Weihnachtsbeleuchtung der Amerikaner zu “bewundern”. Seit 59 Jahren gibt es an der Fulton Street hier in Palo Alto die “Christmas-Tree-Lane”, wo 65 kleine Tannenbäumchen mit verschieden leuchtenden Farben behängt stehen und die 32 Einfamilienhäuser ihr Heim mit individuellem Weihnachtsschmuck zieren. Die Bewohner haben sich wirklich Mühe gegeben, möglichst verschiedene Sujets zu kreieren, so trifft man von singenden Schlümpfen, tanzenden Elfen, Krippen, Lebkuchenhäuschen, leuchtenden Rentieren und schlicht geschmückten Häusern alles an. Unser Favorit steht allerdings am Park Boulevard, an unserem Veloweg an die Uni. Dort funkelt es wie wild, der Santa Claus und ein Elf schaukeln gemeinsam und ein beleuchteter Briefkasten geht auf und zu, einen Brief an den Santa enthüllend. Gegen 7.30 p.m. klopfen wir dann bei unseren Vermietern. Neben der vierköpfigen Familie ist ihre Mutter und ihr jüngerer Bruder anwesend. Das Festmahl startet mit einer Matzah Ball Soup, bestehend aus Knödel und Gemüse, darauf folgt Salat mit Käse aber ohne Sauce (weird!). Als Hauptgang werden ein Schweins- und Rindsbraten mit kaltem Kartoffelstock, warmem süssen Brot, Bohnen (die wie nicht ganz gare Linsen schmecken — nicht schlecht) und einer Kartoffel-Schinken Quiche nach französischer Art serviert. Das Dessert ist ebenfalls reichhaltig: Schokoladenmousse-Cake, Kaffee-Schokoladen-Cake, Flan, Donuts und unseren Guetzli. Wir werden mit Familiengeschichten und persönlichen Erlebnissen unterhalten und tragen unseren Teil dazu bei. Gegen Ende zählt die Mutter von Bisera auf, was ihre Tochter ihrer Meinung alles falsch macht in der Erziehung. Bisera hat nur ein müdes Lächeln übrig und meint, sie hätten ihre eigenen Werte, die ihnen wichtig sind. Sebastian meistert die Situation gut und greift stets irgendein Stichwort auf und steuert die Diskussion in eine andere Richtung. Die Mutter aber bleibt hartnäckig :-) . Alles in allem ein wirklich gelungener Abend.

Der 25. Dezember zeigt sich von seiner sonnigsten Seite. Wir fahren ca. 30 Minuten der Page Mill Road entlang bis wir zum Parkplatz des Los Trancos Open Space Preserve kommen. Dort sind wir ca. 1 1/2 Stunden unterwegs und belaufen alle kürzeren Trails, die wieder zum Parkplatz führen. Unter anderem stoppen wir an den 9 Posten des San Andreas Fault Trails und lassen uns erklären, wie das Erdbeben von 1906 die Landschaft verändert hat. Unterwegs treffen wir Eichhörnchen, ein Reh, verschiedene Vögel und Weihnachtshasen (oder waren es schon die Osterhasen?). Auf dem Rückweg beobachten wir sogar noch einen Coyoten, der im Garten einer Villa um 3 Hirsche herumschleicht.

Am Abend gibt es dann unser Gourmetmenu, lecker! Man kann sich darüber streiten, ob die Kombination passt, aber es waren auf jeden Fall zwei Gerichte, die wir vermisst haben. Zum Glück haben wir so viel gemacht, dass wir am 26. gleich nochmals davon schlemmern können. Der Weihnachtsabend wird bei Strawberry-White Choclate-Truff-Glace und Guetzlis mit einem Film, in dem der echte Santa Claus (ein Kindli-Esser) dargestellt wird, ausgeklingt.

Zurück im Yosemite NP

Am Freitagabend treffen wir in der Cedar Lodge in El Portal ein. Gerade von der Lobby zurück, kommen auch  Tamara und Markus angefahren. Welch eine Freude eine langjährige Freundin aus Gymizeiten zu sehen! Die Beiden sind heute von Bishop über den Tioga Pass gefahren, nachdem sie bereits 2 Wochen in den Nationalparks von Utah, Nevada und Arizona verbracht haben und, wie wir, mehr Nationalparks gesehen haben als manch US Amerikaner.

Quizfrage: Was machen 4 Schweizer in einer Lodge nach dem Znacht?
Antwort: (Mit der Maus hier hinfahren und stillhalten…)

Samstag: Pohono Trail
Wir haben alle Lust auf eine etwas längere Wanderung. Dank der 2 Autos können wir Shuttle spielen und den 21 km langen Pohono Trail in Angriff nehmen. Wir starten beim Tunnel-View-Parkplatz, von wo aus es ziemlich steil hinaufgeht. Etwas verschwitzt erreichen wir ein erstes Etappenziel und werden mit  einer wunderbare Aussicht auf das Yosemite Valley belohnt. Das Wetter ist perfekt: Schön, aber nicht zu warm. Der anstrengende Teil ist geschafft — jetzt geht es an diversen weiteren tollen Aussichtspunkten vorbei alles dem Tal entlang bis zum Glacier Point. Unterwegs treffen wir einige wenige Wanderer und 2 Bären, die sich aber sehr schnell aus dem Staub machen. Nach etwa 8 Stunden, kurz vor Sonnenuntergang, erreichen wir den Glacier Point. Hier geniessen wir trotz vieler Leute die Aussicht auf den Half Dome, bevor wir zur Lodge zurückkehren.

Sonntag: Hetch Hetchy Reservoir
Den Sonntag nehmen wir etwas gemächlicher in Angriff, nämlich mit dem Zmorge-Buffet in der Lodge. Dann folgt die Fahrt auf der Big Oak Road aus dem Park hinaus, durch Wälder hindurch und dann wieder in den Park hinein, zum Hetch Hetchy Reservoir. Hier begeben wir uns erneut auf eine Wanderung (im Vergleich zu gestern eher einen Spaziergang) zu den Wapama Falls. Bei den Wasserfällen geniessen wir unser Picknick und die wunderbare Aussicht auf den Stausee, bevor wir zurück zum Auto und schliesslich auch zurück nach Palo Alto gehen. Das gestaute Wasser ist übrigens jenes, das wir hier in Palo Alto geniessen dürfen.

Mit diesem Wochenende, unserem dritten Yosemite-Besuch dieses Jahres, haben wir zwei weitere wunderbare Gebiete des Nationalparks kennengelernt. Orte wo es noch Bären hat, und nicht nur Schilder, die vor ihnen warnen und Orte die etwas weniger gut erreichbar sind und somit vom Massentourismus des Parkes verschont bleiben.

Es war wirklich ein gelungenes Wochenende, nicht zu vergessen das Jassen und Sebastian’s und meine Glücksträhne, die ebenfalls dazu beigetragen haben. ;-)

Ely und die Silver State Classic Challenge

Nach dem Grand Teton treten wir gemütlich unsere Heimreise an, die mehrere Tage dauert. Es bieten sich verschiedene Routen an und wir beschliessen über Salt Lake City zu fahren. Also vor allem ich bin gespannt auf die Stadt und erwarte — wohl wegen der im 2002 dort stattgefundenen Olympiade — viel. Doch läck du mir ;-) , ist das eine Schlafstadt! Da läuft ja gar nichts!!! Wir landen mit einer Gruppe Pensionierter in der Assembly Hall der Mormonen Hochburg und lassen uns von vier jungen Mormoninnen die Religion und ihre Mission erklären — was trotz oder gerade wegen der vielen Kontroversen, interessant ist. Wir bleiben dann aber nicht lange, sondern beschliessen noch nach Provo zu fahren — die Entscheidung stellt sich als suboptimal heraus. Denn der Stau ist riesig und für die 20 Meilen brauchen wir geschlagene 2 Stunden. Der nächste Tag bringt Sonnenschein und wir streben unser nächstes Ziel, den Great Basin Nationalpark und später Ely an. Wir fahren auf der U.S. Route 50, die seit einem 1986 im Life Magazin erschienen Bericht offiziell als “The Loneliest Road in America” vermarktet wird. Sie führt uns durch das Great Basin, wo sich Wüste, Salzseen und Gebirgsketten abwechseln.

Je näher wir dem Nationalpark kommen, desto düsterer wird es am Horizont und prompt fahren wir in ein heftiges Gewitter. Zu meiner Freude sehe ich wieder einmal ein paar tolle Blitze. Neben dem feinen Schweizer Brunch gehören die herrlichen Sommergewitter zu den am meisten vermissten Dingen. Wir halten dann kurz beim Visitorcenter und beschliessen am nächsten Tag wieder zu kommen, um nochmals wandern zu gehen. Deshalb bleiben wir zwei Nächte in Ely. Ely ist ein ehemaliges Minenstädtchen in der Wüste Nevadas, das nun noch einige Casinos und ziemlich viele Motels beherbergt. Der Zufall will es, dass an dem Wochenende die Silver State Classic Challenge stattfindet. Ganz Ely ist voll von Corvettes, Mustangs, Ferraris und so weiter. Das Rennen findet 3x jährlich, 2x davon in Ely statt und ist ein bewilligtes “Open Road Race”, für das am Sonntag 80 Meilen Highway abgesperrt werden. Am Samstag ist das Beschleunigungsrennen und am Freitagabend die Parade. So stehen wir am Strassenrand und winken den hupenden Rennfahrern zu, die wie an der Fasnacht Süssigkeiten aus dem Wagen werfen, die irgendwo in einer Regenpfütze liegen bleiben…

Der nächste Morgen bringt den versprochenen Sonnenschein und wir fahren die Stunde zurück, um den Samstag im Great Basin Nationalpark zu verbringen. Wir machen eine Rundtour und kommen am Lake Stella und Lake Teresa vorbei, dann treffen wir auf teilweise über 3000 Jahre alte Bristlecone Pines und landen schliesslich beim Gletscher, der allerdings kaum mehr aus Eis besteht.

Am Sonntag verlassen wir Ely und verbringen eine Nacht in Lee Vinning am Mono Lake, bevor wir dann über die Tioga Pass Road und durch den Yosemite Nationalpark zurück nach Palo Alto fahren. Das Bäumchen, das Sebastian vor 14 Jahren fotographisch festgehalten hat steht noch, doch wir warten sicher 15 Minuten, bis er es mit den beiden Steinen im Vordergrund fotographieren kann und dabei nicht noch einen Touristenkopf auf dem Bild hat.

Yellowstone/Grand Teton: Wildlife

“Stopp, Bison!!!” – wir reissen eine Vollbremse, nicht um einem Bison auf der Strasse auszuweichen, nein einfach um ein Foto zu machen. Wow, das erste Mal frei lebende Bisons zu beobachten, ist ein tolles Gefühl. Auch wenn es meiner Meinung nach nicht gerade die schönsten Tiere sind, so sind es die Grössten des Yellowstone Parkes und sie sehen mit ihren braunen Kulleraugen so richtig lieb und harmlos aus. Aber wir werden überall daran erinnert, dass dies enorm täuscht und die doch so nett scheinenden Viecher sehr aggressiv werden können. Kaum 10 Meilen weiter, fahren wir  einer Ebene entlang, auf der hunderte, wenn nicht tausende von Bisons grasen und wir fragen uns, wieso wir vorher so eine Vollbremse gerissen haben, wo wir doch jetzt viel mehr sehen und viel näher an den Tieren sind. Und die Nähe wird nochmals grösser in den nächsten Tagen, wenn die Strassen blockiert sind, weil die Bisonherde den Weg ebenfalls für sich beansprucht und wenig Anstalten macht die wartenden Autos vorbeizulassen. Na ja, die meisten Autofahrer sind entzückt oder wie wir amüsiert. In den nächsten Tagen lachen wir über alle, die irgendwo einen Stopp reissen, um einen einzelnen Bison zu fotographieren – so sind wir!

Die Bisons sind aber nicht die einzigen Tiere, die wir während unseres sechstägigen Aufenthalts im Yellowstone NP und des darauffolgenden zweitägigen Aufenthalts im Grand Teton NP bestaunen und beobachten dürfen. Hier eine kurze Aufzählung:

Der schlaue Fuchs
Dem Fuchs begegnen wir an unserem ersten Tag im Yellowstone NP bei den Calcite Springs, eine der Touristenattraktionen. Sein Weg scheint den unseren zu kreuzen. Nach mehreren Versuchen seinen Weg fortzusetzen, gibt er allerdings auf und geht in die Richtung zurück, aus der er gekommen ist. Zu viele Touristen sind auf dem Pfad, von denen die meisten das schöne Tier gar nicht bemerken…

Die Familie der Chipmunks und die der Golden-mantled Ground Squirrels
Während wir die beiden Tierchen am Anfang noch verwechseln, können wir sie am Ende unseres Nationalparksaufenthalts dank eines biologisch gebildeten Ehepaars mit dem wir per Zufall einfach so eineinhalb Stunden bis zum Gipfel des Mt Washburn wanderten (hatten den gleichen Weg vor uns und sind ins Gespräch gekommen) doch gut unterscheiden. Die Chipmunks – bei uns auch als Streifenhörnchen bekannt, haben Streifen nicht nur am Körper, sondern auch im Gesicht und sind meistens noch etwas kleiner und extrem schnell. Mit ihrem Schwanz in der Höhe rennen, ja fliegen sie fast wie Speedy Gonzales. Die Golden-mantled Ground Squirrels sind auch schnell, aber etwas besser festzuhalten — ich meine fotographisch natürlich :-) . Diese beiden Tierarten sind wie die Bisons in grosser Menge anzutreffen. Daneben gibt es auch noch andere Squirrels, sozusagen “Streifenlose”.

Herr und Frau Pika
Auf unserer Wanderung zum Avalanche Peak treffen wir auf Herr und Frau Pika. Angekommen auf dem Gipfel und etwas Schutz suchend ruhen wir uns in den Steinen aus, als plötzlich ein hübscher Kopf mit Gras im Mund erscheint. Es ist — wie wir später nachlesen — ein Pika und erinnert mich an einen etwas grösseren Hamster. Süss wirklich, wie sie mit ihrem wohl für das Nest gesammelten Gräsern (wo auch immer sie diese in der Felslandschaft auf 3221 m.ü.M finden konnte) vorbeidüst. Kurz darauf kommt dann auch noch Herr Pika hervor, aber ohne etwas im Mund zu haben. Nein — ich habe das Geschlecht nicht wirklich untersucht. Es ist nur geraten, die Frau — die Fleissige :-)

Familie Murmeli
Ein anderer Gipfelbewohner sind die Murmeli. Sie sind ja mit Columbus ausgewandert und nennen sich hier jetzt “Marmot”. Allerdings sind sie etwas weniger achtsam als ihre europäischen Verwandten. Jedenfalls ist ihnen unser Auftauchen kein Pfiff wert — oder sie können nicht pfeiffen wenn sie saftige Gräser am kauen sind!

Wölfe und Coyoten
Die sind für uns Laien nicht einfach auseinanderzuhalten. Am ersten Tag treffen wir auf ein paar Hobby-Wolfexperten, die mit Fernrohr ausgerüstet auf ein Feld schauen. Auf unsere Nachfrage, was es zu sehen gibt, erfahren wir, dass dort ein schwarzer Wolf liegt, der Siesta macht. Wir dürfen durch das Fernrohr schauen — das einiges besser als unser Feldstecher ist und siehe da, wir können die schwarzen Ohren und den Kopf sehen. Der Rest versteckt sich im Gras. Uns wird auch erzählt, dass die Wölfe vor allem am Morgen und am Abend zu sehen sind. So stehen wir zwei Mal hintereinander um 6.15 Uhr auf, um auf Wolfspirsch zu gehen. Doch leider haben wir beide Male Pech. Die Wölfe scheinen den Ort oder ihre Gewohnheit gewechselt zu haben. Dennoch, interessant ist es auf jeden Fall. Am zweiten Morgen treffen wir wieder auf eine Gruppe mit guten Fernrohren, die über ein Fläche Richtung Bäume blicken. Die Bäume sind am Ufer des Lamar Rivers, der jedoch für das Auge nicht sichtbar ist, da er etwas tiefer liegt. Um den Baum fliegen ganz viele Magpies (Elstern) und etwas weiter vorne streift ein Coyote umher. Dieser ist extrem gut getarnt, aber wenn man ihn mal durchschaut hat, kann man ihn doch sehr gut sehen. Die Hypothese der Beobachter ist, dass am Fluss ein Kadaver liegt und sich die Wölfe davon ernähren, denn es wurde kurz vor unserer Ankunft Wolfsgeheul gehört. Die Magpies wie auch der Coyote warten bis sie an der Reihe sind, um noch von dem Übriggebliebenen zu naschen. So hoffen wir mit den Hobby-Experten, dass die Wölfe nachdem sie satt gefressen sind, sich in unsere Richtung bewegen. Wir warten vergeblich, dafür sehen wir am selben Tag einen weiteren Coyoten, der ziemlich in der Nähe der Strasse seinen Weg geht. Einen Tag später, auf der Wanderung zum Lake Shoshone sehen wir ihn — zuerst sind wir überzeugt, es ist ein Wolf. Wir können beobachten, wie er ein kleines Tier (Identität nicht mehr erkennbar) verspeist und beim Rückweg kreuzen sich unsere Wege noch einmal. Im Nachhinein beim Vergleich mit anderen Fotos scheint es dann aber eher doch ein Coyote gewesen zu sein. Nun schwierig zu sagen, aber auf jeden Fall toll!

Schwarzbären
So wie es die Hobby-Wolfexperten gibt, so gibt es auch die Hobby-Bärexperten, die jeden Abend etwa zur gleichen Zeit und am gleichen Ort ihre Fernrohre aufstellen. Wir halten ebenfalls und werden herzlich in die Gruppe aufgenommen. Wir dürfen durch das Fernrohr blicken und siehe da, ein Zimmtfarbener Schwarzbär klettert in den Bäumen umher und versucht an Tannzapfen zu kommen. Unglaublich wie der doch eher grosse Bär sich so scheinbar leicht in den dünnen Tannen bewegt — ganz offentlichtlich ist er ein Kletterkünstler. Die Lady, die uns ältere von ihr geschossene Fotos von Bären zeigt und ihr Fernrohr zur Verfügung stellt, ist ganz entzückt, als ich von blossem Auge einen zweiten Bären lokalisieren kann und kann nicht aufhören zu betonen “she spotted it!”.

Vogelwelt
Der Yellowstone-Park ist ein Paradies für Vogelliebhaber, denn man sieht allerhand an verschiedenen Vögeln (und damit meine ich die Tiere :-) , die anderen gibt es natürlich auch). Ich zähle jetzt nicht alle auf, nur ein paar:  wir haben zwei Bald Eagles gesehen, Sand Cranes sowie Ospreys.

Biber und Schlangen
Im Grand Teton haben wir am Rangerprogramm teilgenommen und zwar am Wildlife spotting, in der Hoffnung auf Moose zu treffen. Stattdessen aber haben wir eben viele Vögel beobachtet und auch noch Biber im Fluss schwimmen gesehen. Schlangen hat es vor allem auf der Wanderung zu den Mystic Falls viele gehabt und diesmal bin nicht ich es, die (fast) draufgestanden ist, sondern Sebastian. Er hat sie nur um Zentimeter verfehlt und es nicht gemerkt.

Es kreucht und fleucht!
So schlimm ist es zum Glück nicht mit den Insekten. Im Sommer soll es teilweise viele Stechmücken haben. Jetzt — in den kalten Nächten — wird ihre Anzahl stark reduziert. Trotzdem werden wir ab und zu mal gepickst. Lästiger aber sind die Wespen, die trotz nicht zu erkennendem Riechorgan eine sehr gut Nase haben müssen! Jedenfalls sind sie sofort zur Stelle wenn man etwas zu essen zubereitet! Daneben hat es natürlich viel schönes “Ungeziefer”, so z.B. viele Schmetterlinge und ganz verschiedenfarbige Libellen.

Pronghorn
Die Pronghorn werden auch Antilopen genannt und leben mit den Bisons zusammen in der “Amerikanischen Serengeti” — dem Lamar Valley. Im Gegensatz zu den Bisons, ziehen sie aber bald schon in tiefere gelegene Regionen. Sie würden den Winter hier im Schnee nicht überleben.

Elks, Deers and Moose
Wenn ihr im NP seid und ein schrilles Pfeifen hört, so ist es nicht etwa eine Trillerpfeife und auch kein Vogel, sondern es ist ein scharfer Elk. Als wir in den NP’s waren, war gerade Paarungszeit für die Elks und wir konnten die Brunstrufe hören und ein eitles Männchen beim Schleifen seines Geweihs beobachten. Der samtene Flaum war schon lange weg, aber er hat stolz weitergemacht, sein Geweih am Baum zu schaben — ein ganz schöner; als “Elkin” hätte ich mich glatt in ihn verguckt ;-) . Die amerikanischen Elks sind etwa mit unseren Rothirschen vergleichbar (etwas grösser und mit weissem Hinterteil — sie heissen auch Wapiti, auf indianisch “weisses Hinterteil”) und die Deers mit unseren Rehen. Der norwegische Elch entspricht dem Moose. Und in der Broschüre heisst es, “if you see a Moose you can count yourself lucky”. Wir sind Glückskinder!!! Am letzten Tag, wir haben sogar den Grand Teton schon verlassen, sehen wir zwei Moose: Wiedereinmal eine Menge von Autos lassen uns ebenfalls halten. Am anderen Ufer des Flusses sitzt ein Moose im Gras. Wir warten eine Stunde und dann steht er endlich auf — oh ja — er ist gross. Er verschwindet dann im Gebüsch und geht zum nebenan fliessenden Bächchen, wir auf die Brücke, wo wir ihn nochmals wunderschön beobachten können. Plötzlich rascheltet es im Gebüsch und ein zweites Männchen steht da — ebenfalls anmutig und schön. Und es scheint, er posiert — wohl ein Model.

Der Grizzly-Bär
Er ist einer der Gründe, warum wir unbedingt wieder in den Yellowstone Nationalpark zurückkommen müssen, denn ihn haben wir trotz des extra gekauften Bärensprays und unseren Grizzly-Glöcklein nicht angetroffen.

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