“Stopp, Bison!!!” – wir reissen eine Vollbremse, nicht um einem Bison auf der Strasse auszuweichen, nein einfach um ein Foto zu machen. Wow, das erste Mal frei lebende Bisons zu beobachten, ist ein tolles Gefühl. Auch wenn es meiner Meinung nach nicht gerade die schönsten Tiere sind, so sind es die Grössten des Yellowstone Parkes und sie sehen mit ihren braunen Kulleraugen so richtig lieb und harmlos aus. Aber wir werden überall daran erinnert, dass dies enorm täuscht und die doch so nett scheinenden Viecher sehr aggressiv werden können. Kaum 10 Meilen weiter, fahren wir einer Ebene entlang, auf der hunderte, wenn nicht tausende von Bisons grasen und wir fragen uns, wieso wir vorher so eine Vollbremse gerissen haben, wo wir doch jetzt viel mehr sehen und viel näher an den Tieren sind. Und die Nähe wird nochmals grösser in den nächsten Tagen, wenn die Strassen blockiert sind, weil die Bisonherde den Weg ebenfalls für sich beansprucht und wenig Anstalten macht die wartenden Autos vorbeizulassen. Na ja, die meisten Autofahrer sind entzückt oder wie wir amüsiert. In den nächsten Tagen lachen wir über alle, die irgendwo einen Stopp reissen, um einen einzelnen Bison zu fotographieren – so sind wir!
Die Bisons sind aber nicht die einzigen Tiere, die wir während unseres sechstägigen Aufenthalts im Yellowstone NP und des darauffolgenden zweitägigen Aufenthalts im Grand Teton NP bestaunen und beobachten dürfen. Hier eine kurze Aufzählung:
Der schlaue Fuchs
Dem Fuchs begegnen wir an unserem ersten Tag im Yellowstone NP bei den Calcite Springs, eine der Touristenattraktionen. Sein Weg scheint den unseren zu kreuzen. Nach mehreren Versuchen seinen Weg fortzusetzen, gibt er allerdings auf und geht in die Richtung zurück, aus der er gekommen ist. Zu viele Touristen sind auf dem Pfad, von denen die meisten das schöne Tier gar nicht bemerken…
Die Familie der Chipmunks und die der Golden-mantled Ground Squirrels
Während wir die beiden Tierchen am Anfang noch verwechseln, können wir sie am Ende unseres Nationalparksaufenthalts dank eines biologisch gebildeten Ehepaars mit dem wir per Zufall einfach so eineinhalb Stunden bis zum Gipfel des Mt Washburn wanderten (hatten den gleichen Weg vor uns und sind ins Gespräch gekommen) doch gut unterscheiden. Die Chipmunks – bei uns auch als Streifenhörnchen bekannt, haben Streifen nicht nur am Körper, sondern auch im Gesicht und sind meistens noch etwas kleiner und extrem schnell. Mit ihrem Schwanz in der Höhe rennen, ja fliegen sie fast wie Speedy Gonzales. Die Golden-mantled Ground Squirrels sind auch schnell, aber etwas besser festzuhalten — ich meine fotographisch natürlich
. Diese beiden Tierarten sind wie die Bisons in grosser Menge anzutreffen. Daneben gibt es auch noch andere Squirrels, sozusagen “Streifenlose”.
Herr und Frau Pika
Auf unserer Wanderung zum Avalanche Peak treffen wir auf Herr und Frau Pika. Angekommen auf dem Gipfel und etwas Schutz suchend ruhen wir uns in den Steinen aus, als plötzlich ein hübscher Kopf mit Gras im Mund erscheint. Es ist — wie wir später nachlesen — ein Pika und erinnert mich an einen etwas grösseren Hamster. Süss wirklich, wie sie mit ihrem wohl für das Nest gesammelten Gräsern (wo auch immer sie diese in der Felslandschaft auf 3221 m.ü.M finden konnte) vorbeidüst. Kurz darauf kommt dann auch noch Herr Pika hervor, aber ohne etwas im Mund zu haben. Nein — ich habe das Geschlecht nicht wirklich untersucht. Es ist nur geraten, die Frau — die Fleissige
Familie Murmeli
Ein anderer Gipfelbewohner sind die Murmeli. Sie sind ja mit Columbus ausgewandert und nennen sich hier jetzt “Marmot”. Allerdings sind sie etwas weniger achtsam als ihre europäischen Verwandten. Jedenfalls ist ihnen unser Auftauchen kein Pfiff wert — oder sie können nicht pfeiffen wenn sie saftige Gräser am kauen sind!
Wölfe und Coyoten
Die sind für uns Laien nicht einfach auseinanderzuhalten. Am ersten Tag treffen wir auf ein paar Hobby-Wolfexperten, die mit Fernrohr ausgerüstet auf ein Feld schauen. Auf unsere Nachfrage, was es zu sehen gibt, erfahren wir, dass dort ein schwarzer Wolf liegt, der Siesta macht. Wir dürfen durch das Fernrohr schauen — das einiges besser als unser Feldstecher ist und siehe da, wir können die schwarzen Ohren und den Kopf sehen. Der Rest versteckt sich im Gras. Uns wird auch erzählt, dass die Wölfe vor allem am Morgen und am Abend zu sehen sind. So stehen wir zwei Mal hintereinander um 6.15 Uhr auf, um auf Wolfspirsch zu gehen. Doch leider haben wir beide Male Pech. Die Wölfe scheinen den Ort oder ihre Gewohnheit gewechselt zu haben. Dennoch, interessant ist es auf jeden Fall. Am zweiten Morgen treffen wir wieder auf eine Gruppe mit guten Fernrohren, die über ein Fläche Richtung Bäume blicken. Die Bäume sind am Ufer des Lamar Rivers, der jedoch für das Auge nicht sichtbar ist, da er etwas tiefer liegt. Um den Baum fliegen ganz viele Magpies (Elstern) und etwas weiter vorne streift ein Coyote umher. Dieser ist extrem gut getarnt, aber wenn man ihn mal durchschaut hat, kann man ihn doch sehr gut sehen. Die Hypothese der Beobachter ist, dass am Fluss ein Kadaver liegt und sich die Wölfe davon ernähren, denn es wurde kurz vor unserer Ankunft Wolfsgeheul gehört. Die Magpies wie auch der Coyote warten bis sie an der Reihe sind, um noch von dem Übriggebliebenen zu naschen. So hoffen wir mit den Hobby-Experten, dass die Wölfe nachdem sie satt gefressen sind, sich in unsere Richtung bewegen. Wir warten vergeblich, dafür sehen wir am selben Tag einen weiteren Coyoten, der ziemlich in der Nähe der Strasse seinen Weg geht. Einen Tag später, auf der Wanderung zum Lake Shoshone sehen wir ihn — zuerst sind wir überzeugt, es ist ein Wolf. Wir können beobachten, wie er ein kleines Tier (Identität nicht mehr erkennbar) verspeist und beim Rückweg kreuzen sich unsere Wege noch einmal. Im Nachhinein beim Vergleich mit anderen Fotos scheint es dann aber eher doch ein Coyote gewesen zu sein. Nun schwierig zu sagen, aber auf jeden Fall toll!
Schwarzbären
So wie es die Hobby-Wolfexperten gibt, so gibt es auch die Hobby-Bärexperten, die jeden Abend etwa zur gleichen Zeit und am gleichen Ort ihre Fernrohre aufstellen. Wir halten ebenfalls und werden herzlich in die Gruppe aufgenommen. Wir dürfen durch das Fernrohr blicken und siehe da, ein Zimmtfarbener Schwarzbär klettert in den Bäumen umher und versucht an Tannzapfen zu kommen. Unglaublich wie der doch eher grosse Bär sich so scheinbar leicht in den dünnen Tannen bewegt — ganz offentlichtlich ist er ein Kletterkünstler. Die Lady, die uns ältere von ihr geschossene Fotos von Bären zeigt und ihr Fernrohr zur Verfügung stellt, ist ganz entzückt, als ich von blossem Auge einen zweiten Bären lokalisieren kann und kann nicht aufhören zu betonen “she spotted it!”.
Vogelwelt
Der Yellowstone-Park ist ein Paradies für Vogelliebhaber, denn man sieht allerhand an verschiedenen Vögeln (und damit meine ich die Tiere
, die anderen gibt es natürlich auch). Ich zähle jetzt nicht alle auf, nur ein paar: wir haben zwei Bald Eagles gesehen, Sand Cranes sowie Ospreys.
Biber und Schlangen
Im Grand Teton haben wir am Rangerprogramm teilgenommen und zwar am Wildlife spotting, in der Hoffnung auf Moose zu treffen. Stattdessen aber haben wir eben viele Vögel beobachtet und auch noch Biber im Fluss schwimmen gesehen. Schlangen hat es vor allem auf der Wanderung zu den Mystic Falls viele gehabt und diesmal bin nicht ich es, die (fast) draufgestanden ist, sondern Sebastian. Er hat sie nur um Zentimeter verfehlt und es nicht gemerkt.
Es kreucht und fleucht!
So schlimm ist es zum Glück nicht mit den Insekten. Im Sommer soll es teilweise viele Stechmücken haben. Jetzt — in den kalten Nächten — wird ihre Anzahl stark reduziert. Trotzdem werden wir ab und zu mal gepickst. Lästiger aber sind die Wespen, die trotz nicht zu erkennendem Riechorgan eine sehr gut Nase haben müssen! Jedenfalls sind sie sofort zur Stelle wenn man etwas zu essen zubereitet! Daneben hat es natürlich viel schönes “Ungeziefer”, so z.B. viele Schmetterlinge und ganz verschiedenfarbige Libellen.
Pronghorn
Die Pronghorn werden auch Antilopen genannt und leben mit den Bisons zusammen in der “Amerikanischen Serengeti” — dem Lamar Valley. Im Gegensatz zu den Bisons, ziehen sie aber bald schon in tiefere gelegene Regionen. Sie würden den Winter hier im Schnee nicht überleben.
Elks, Deers and Moose
Wenn ihr im NP seid und ein schrilles Pfeifen hört, so ist es nicht etwa eine Trillerpfeife und auch kein Vogel, sondern es ist ein scharfer Elk. Als wir in den NP’s waren, war gerade Paarungszeit für die Elks und wir konnten die Brunstrufe hören und ein eitles Männchen beim Schleifen seines Geweihs beobachten. Der samtene Flaum war schon lange weg, aber er hat stolz weitergemacht, sein Geweih am Baum zu schaben — ein ganz schöner; als “Elkin” hätte ich mich glatt in ihn verguckt
. Die amerikanischen Elks sind etwa mit unseren Rothirschen vergleichbar (etwas grösser und mit weissem Hinterteil — sie heissen auch Wapiti, auf indianisch “weisses Hinterteil”) und die Deers mit unseren Rehen. Der norwegische Elch entspricht dem Moose. Und in der Broschüre heisst es, “if you see a Moose you can count yourself lucky”. Wir sind Glückskinder!!! Am letzten Tag, wir haben sogar den Grand Teton schon verlassen, sehen wir zwei Moose: Wiedereinmal eine Menge von Autos lassen uns ebenfalls halten. Am anderen Ufer des Flusses sitzt ein Moose im Gras. Wir warten eine Stunde und dann steht er endlich auf — oh ja — er ist gross. Er verschwindet dann im Gebüsch und geht zum nebenan fliessenden Bächchen, wir auf die Brücke, wo wir ihn nochmals wunderschön beobachten können. Plötzlich rascheltet es im Gebüsch und ein zweites Männchen steht da — ebenfalls anmutig und schön. Und es scheint, er posiert — wohl ein Model.
Der Grizzly-Bär
Er ist einer der Gründe, warum wir unbedingt wieder in den Yellowstone Nationalpark zurückkommen müssen, denn ihn haben wir trotz des extra gekauften Bärensprays und unseren Grizzly-Glöcklein nicht angetroffen.








































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